Überlebende der Zerstörung Dresdens – eine persönliche Geschichte…

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+++ Ich bin Günther +++

Eine Geschichte zum Gedenken an die Dresdner Bombennächte...

Noch gibt es sie – Überlebende Augenzeugen der Bombennächte vom 13.-15. Februar 1945.

Wir haben mit einem gesprochen:

„Ich war fünfeinhalb Jahre alt, aber ich habe diese Bilder immer noch vor Augen. Es hat mich und mein Leben verändert.“

Günther schweigt lange Zeit…

„Wir waren Vertriebene, aus dem Sudetenland, dem heutigen Tschechien. Mussten alles zurück lassen – Haus, Hof, Spielsachen.
Wir wurden rausgeprügelt.
Meine Mutter mit 2 Kindern und 2 Koffern zu Fuß bis Dresden. Hier fanden wir etwas Ruhe; nette Leute die uns Essen gaben. Die Angst wich etwas. Den Krieg kannte ich nicht, genau wie meinen Vater, der wohl dort g
ekämpft hatte. Die Leute sagten: Der Krieg ist vorbei…
Wir waren 3 Tage am Stadtrand Dresdens, als plötzlich Bomben fielen.
Wir hockten im Keller und zitterten.
Minuten. Stunden…
Es hörte nicht auf!
Nach unendlich langer Zeit gingen zuerst die Erwachsenen raus, kamen aber bald bleich zurück. Kein Wort…
Wir fragten. Wir weinten. Keine Reaktionen der Erwachsenen.
Irgendwann gab es Brot und Tee.
Irgendwann kamen wieder Bomben.

Unendlich viele Explosionen.
Es war stickig und heiß.
Irgendwann schlief ich ein.
Lange Zeit später riß mich etwas am Arm – meine Mutter. „Raus, raus“ rief sie. Schnappte uns und wir rannten aus dem Keller. Draußen war es weder Tag noch Nacht. Überall Rauch, Hitze, Trümmer – und Tote. Wir stiegen über Leichen. Immer wieder Leichen! Verkohlt…“

Günther stockt.
Tränen steigen auf.


„Der Krieg war doch vorbei?


Wir sind dann weitergezogen; nur weg von hier…

Dass alles hat mich als Kind verändert, verschlossen gemacht, härter gemacht, die Kindheit geraubt.
Es verfolgt mich bis heute.

„Ich war seitdem nie wieder in Dresden!“

Wir fragen ihn, was er zu heutigen Veranstaltungen zu diesem Termin denkt.

„Krieg ist schrecklich, egal wer ihn führt! Er bringt nur Leid und Elend!
Politik sollte persönliches Gedenken der Angehörigen nie vereinnahmen! Nicht in der DDR und nicht heute!
Trauer muss still und ohne Vorgaben erfolgen. Alles andere birgt die Gefahr erneuter Wahnphantasien und vielleicht eines neuen Krieges.

Sein Appell:

Hört bitte auf einen alten Mann!
Der Kinder willen!

 

Wir danken Günther für seine Gedanken!
Er wird am nächsten Dienstag zum ersten Mal wieder nach Dresden reisen – zur Frauenkirche.

Gestehen wir alle Günther sein stilles Gedenken zu – ohne Politik, Polizei und ohne Meinungsbildung!