Bertelsmann – Eine Stiftung macht Politik

Posted by in 3G-Gipfel.de, Bildung und Demokratie

Die Bertelsmann Stiftung – Eine Stiftung macht Politik und Presse

Bertelsmann macht Politik.  Hochschulpolitik.  Ein Grund mehr, hinter die Kulissen zu schauen.

Die Bertelsmann SE & Co. KGaA ist das größte Medienunternehmen Europas und rangiert unter den Top 10 Medienriesen der Welt. In ihrem Besitz befinden sich beispielweise die RTL Group, Europas führender Unterhaltungskonzern mit Beteiligung an 55 Fernsehsendern (u.a RTL, RLT II, VOX, NTV,…) und 27 Radiostationen und das Pengiun Random House, welches derzeit die größte Publikumsverlagsgruppe der Welt darstellt. Seit November 2014 hält man auch vollen Anteil am Druck- und Verlagshaus „Gruner + Jahr„, einem der größten „Special-Interest-Verlage“ Europas, unter wessen Namen unter anderem das „Geo Magazin“, „National Geographic“ oder die „Gala“ erscheinen. In diese Linie reihen sich dann noch der internationale Dienstleister „Arvato“, welche Behörden, Ministerien und Institutionen an vorderster Front betreut, die Druckerei-Gruppe „Be Printers“, sowie Corporate Investments und Corporate Center. (2)

 

Einfluss auf die Hochschulpolitik:

»Was zwei Weltkriege nicht geschafft haben, könnte Bologna erreichen: die deutsche Universität zu zerstören«, resümierte der Soziologe Ulrich Beck. (3)

Zentraler Akteur hierbei war die EU, die ebenfalls nominell keinen Zugriff auf nationale Bildungspolitiken hat. Deren Konzeptionen stammen vom »European Round Table of Industrialists«, einer mächtigen Lobbygruppe internationaler Konzerne in Brüssel. Auf nationaler Ebene war die Bertelsmann Stiftung von besonderer Bedeutung. Sie gründete mit der Vereinigung der Universitätsrektoren das »Centrum für Hochschulentwicklung« (CHE). Dessen Vorgehen formuliert der damalige Leiter Detlef Müller-Böling in dreister Offenheit: »Man darf Frösche nicht fragen, wenn man ihren Teich trockenlegen will. […] Ich habe nie gedacht, dass man mit 30 Leuten Dinge direkt durchsetzen kann. […] Im CHE standen 30 Leute 36.000 Professoren und zwei Millionen Studenten an 80 bis 100 Universitäten und rund 260 Fachhochschulen gegenüber, außerdem 16 Landesministerien mit jeweils 300 Mitarbeitern.« (4)

„Das CHE hat sehr erfolgreich es geschafft, ein neues Leitbild in die Hochschulforschung einzuführen, nämlich das Leitbild der unternehmerischen Hochschule. Es hat auch erfolgreich für die Einführung von Studiengebühren gesorgt.“

Mit den anpassungsbereiten, flexiblen und etwas kreativen Schmalspurabsolventen, die das System intendiert, können allenfalls internationale Großkonzerne etwas anfangen. Mittelstand und Handwerk sicher nicht. Aber eben die tragen gerade im deutschsprachigen Raum traditionell die Volkswirtschaften. Insofern, so kann man schließen, handelt es sich bei der neoliberalen Strategie im Bildungswesen nicht nur um ein kulturimperialistisches und antidemokratisches Programm, sondern zugleich um eine Form ökonomischer Kriegsführung, die solchen Volkswirtschaften schadet, die tatsächlich auf gebildeten Bürgern beruhen. (5)

Kaum eine wichtige gesellschaftliche Debatte wird ohne die Expertise der Stiftung geführt.  Bildungs- oder Gesundheitspolitik, Demographischer Wandel, Globalisierung, Sozialreform oder demokratische Entwicklung, die Stiftung mit Sitz in Gütersloh bestimmt mit ihrer Medienpräsenz die öffentliche Debatte. Und damit auch die politischen Eliten im Land.

„Die Kanzlerin hat eine sehr enge, vertrauensvolle Beziehung zur Familie Mohn“, bestätigt der ehemalige Vize-Regierungssprecher Thomas Steg.

Es lohnt sich auch, einen Blick auf die Mitarbeiter der Stiftung zu richten:

Vorstandsvorsitzender Aart De Geus:  März 2007 bis 2011 stellvertretender Generalsekräter Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)   

Wir erinnern uns?

Die OECD ist bekanntermaßen seit ihrer Gründung wesentlich von US-amerikanischen Interessen beherrscht. Deren Strategie kann als Versuch verstanden werden, Ökonomien und Demokratien zu destabilisieren, um die Zielländer zu dominieren. Mitglieder neokonservativer Think Tanks in den USA beschreiben dieses Vorgehen dezidiert: »Schöpferische Zerstörung ist unser zweiter Name, sowohl nach innen in unserer eigenen Gesellschaft als auch nach außen. Wir reißen die alte Ordnung jeden Tag ein, vom Business zur Wissenschaft, Literatur, Kunst, Architektur und Film zu Politik und Recht.“

 

Jörg Dräger  ehemaliger Wissenschaftssenator der Stadt Hamburg, Vorstandsmitglied Bertelsmann Stiftung in den Bereichen Bildung, Demokratie und Integration und Geschäftsführer des  „Centrum für Hochschulentwicklung“ (CHE)

Werner J. Bauer  Generaldirektor Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé

Lobbypedia listet weitere Verbindungen zwischen Bertelsmann, Industrie und Politik auf.

 

Die Verflechtung der Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder in sämtlichen Bereichen der Wirtschaft, Politik und Kultur sind nicht zu übersehen.

Auf der Agenda stehen immer wieder gleiche Themen, neoliberale Bildungspolitik im Interesse neoliberaler Wirtschaftspolitik.

 

Frei nach dem Motto „Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“, sorgt die Stiftung durch das Mitwirken in sämtlichen Gremien und Institutionen dafür, dass insbesondere die hauseigenen Interessen Gehöhr finden und sorgt somit auch unmittelbar dafür, dass die Stiftung selbst immer wieder reproduziert wird. Ob in Berlin nun Rot-Grün oder die Große Koalition das Sagen hat, wird bis zur Nebensächlichkeit, bis zur Belanglosigkeit, bis zur Unkenntlichkeit deformiert und demontiert. (2)

Kaum kann man sich dem medialen Einfluss entziehen:

 

 

 

 

Quellen:

(1) http://www.deutschlandfunk.de/bertelsmann-vodafone-co-wie-stiftungen-die-bildungspolitik.724.de.html?dram:article_id=324443

(2) http://www.neopresse.com/politik/dach/die-bertelsmann-stiftung-eine-stiftung-macht-politik-und-presse/

(3) Frankfurter Rundschau vom 05.02.2010

(4) Zit. n. Thomas Schuler, Bertelsmann-Republik Deutschland. Eine Stiftung macht Politik. Frankfurt/M./New York 2010, S. 150.

(5) Fassadendemokratie und Tiefer Staat  S. 44

Bildquelle: https://deutschelobbyinfo.files.wordpress.com/2014/12/bertelsmannorganigramm.gif?w=723